Gitarre im Stehen spielen: 5 Tipps für Anfänger und Wiedereinsteiger
Wer Gitarre lernt, beginnt meistens im Sitzen. Das Instrument liegt bequem auf dem Oberschenkel, die Hände finden ihre Position und die ersten Akkorde werden geübt. Doch spätestens beim gemeinsamen Musizieren mit anderen oder beim ersten Auftritt kommt der Moment, in dem man auch im Stehen spielen möchte.
Was zunächst nach einer kleinen Umstellung klingt, ist für viele Gitarristen überraschend ungewohnt. Plötzlich fühlt sich die Gitarre anders an, die Greifhand muss sich neu orientieren und manche Akkorde gelingen nicht mehr so mühelos wie im Sitzen.
Das kann schnell frustrierend werden. Denn wenn die Haltung unbequem ist, die Schulter schmerzt oder die Gitarre nicht richtig sitzt, leidet irgendwann auch die Freude am Spielen. Dabei soll das Gitarrespielen doch vor allem Spaß machen. Oft reichen schon ein paar kleine Anpassungen, um sich auch im Stehen wohlzufühlen. Mit diesen fünf Tipps gelingt der Wechsel leichter.
1. Die richtige Gitarrenhöhe finden
Ein häufiger Anfängerfehler ist ein zu tief eingestellter Gitarrengurt. Gerade bei E-Gitarren sieht eine tief hängende Gitarre zwar lässig aus, sie kann das Greifen aber erheblich erschweren.
Für den Anfang empfiehlt es sich, die Gitarre ungefähr auf der Höhe zu tragen, auf der sie auch beim Spielen im Sitzen liegt. So müssen sich die Hände nicht komplett an eine neue Position gewöhnen.
Wenn Du Dich im Stehen sicher fühlst, kannst Du mit unterschiedlichen Gurthöhen experimentieren und herausfinden, welche Position am besten zu Deinem Spielstil passt.
2. Auf eine entspannte Körperhaltung achten
Beim Spielen im Stehen ist eine lockere Körperhaltung besonders wichtig. Versuche, beide Schultern entspannt zu halten und das Gewicht gleichmäßig auf Deine Beine zu verteilen.
Achte darauf, dass Du weder den Oberkörper stark nach vorne beugst noch die Greifhand in eine unangenehme Position zwingst.
Gerade Wiedereinsteiger, die längere Zeit nicht gespielt haben, sollten sich langsam an längere Übungseinheiten im Stehen gewöhnen. Kurze Pausen helfen dabei, ein Gefühl für die neue Haltung zu entwickeln.
3. Den Gitarrengurt nicht unterschätzen
Der Gitarrengurt ist mehr als nur eine Halterung für Dein Instrument. Er beeinflusst, wie stabil Deine Gitarre hängt und wie angenehm sich das Spielen im Stehen anfühlt.
Besonders bei schweren E-Gitarren oder Bässen kann ein schmaler Gurt unangenehm auf die Schulter drücken. Ein breiterer Gurt verteilt das Gewicht über eine größere Fläche. Bei besonders schweren Instrumenten kann zusätzlich eine Polsterung sinnvoll sein.
Auch die Unterseite spielt eine wichtige Rolle, denn sie beeinflusst, wie fest der Gurt auf Deiner Kleidung sitzt. Eine Wildlederunterseite bietet besonders starken Halt. Auf einem Baumwollshirt oder Pullover bleibt die Gitarre nahezu unverändert in ihrer Position, ein Vorteil gerade bei schweren oder kopflastigen Instrumenten. Eine Baumwollunterseite ist ebenfalls sehr rutschfest, bietet aber etwas mehr Bewegungsfreiheit: Die Gitarre bleibt zuverlässig an ihrem Platz, lässt sich bei Bedarf jedoch bewusst verschieben. Auf glatter Kleidung, beispielsweise einer Lederjacke, fällt der Unterschied zwischen beiden Materialien meist deutlich geringer aus.
Entscheidend ist deshalb, einen Gitarrengurt zu wählen, der zu Deinem Instrument, Deiner Körperhaltung und Deinem persönlichen Spielstil passt.
Eine Auswahl unterschiedlicher Materialien, Breiten und Polsterungen findest Du beispielsweise bei den Gitarrengurten von Steyner Straps.
4. Bekannte Übungen im Stehen wiederholen
Du musst nicht sofort neue Songs lernen, um das Spielen im Stehen zu trainieren. Im Gegenteil: Beginne mit Akkorden, Tonleitern oder Liedern, die Du bereits gut beherrschst.
So kannst Du Dich ganz auf die veränderte Haltung konzentrieren, ohne gleichzeitig über neue Griffe nachdenken zu müssen.
Ein guter Einstieg ist es, zunächst einzelne Akkordwechsel im Stehen zu üben und anschließend einen bekannten Song komplett durchzuspielen. Achte dabei bewusst darauf, ob Du die Gitarre bequem erreichst und Deine Hände entspannt bleiben.
Schon wenige Minuten pro Übungseinheit helfen dabei, sich schrittweise an das Spielen im Stehen zu gewöhnen.
5. Bewegungsfreiheit beim Spielen berücksichtigen
Gerade Anfänger und Wiedereinsteiger müssen häufig noch auf das Griffbrett schauen, um ihre Finger richtig zu positionieren. Das ist völlig normal.
Dabei verändert sich oft unbewusst die Körperhaltung: Man neigt den Oberkörper nach vorne oder dreht die Gitarre ein wenig zu sich, um die Saiten und Bünde besser sehen zu können.
Hier zeigt sich, warum auch die Unterseite des Gitarrengurts wichtig ist. Wer seine Gitarre häufiger bewegt, beispielsweise um beim Spielen auf das Griffbrett zu schauen, sollte auch auf die Beschaffenheit der Gurtunterseite achten. Bei einer Wildlederunterseite, wie sie häufig bei Leder Gitarrengurten zu finden ist, kann die Kleidung durch den starken Halt mit nach oben gezogen werden. Das gilt besonders bei Oberteilen mit einer eher rauen, griffigen Oberfläche, etwa einem Baumwollshirt oder Pullover.
In solchen Fällen lohnt sich der Blick auf einen Textilgurt mit Baumwollunterseite. Sie ist ebenfalls sehr rutschfest und hält die Gitarre zuverlässig in ihrer Position, lässt sich bei Bedarf aber kontrolliert verschieben, ohne dabei die Kleidung so stark mitzuziehen.
Welche Unterseite besser geeignet ist, hängt letztlich vom Instrument, der Kleidung und den persönlichen Spielgewohnheiten ab.
Mit zunehmender Spielerfahrung wird der Blick aufs Griffbrett meist seltener. Bis dahin sollte der Gurt vor allem eine natürliche und bequeme Spielhaltung ermöglichen.
Fazit: Übung macht auch im Stehen den Unterschied
Gitarre im Stehen zu spielen ist keine völlig neue Technik, erfordert aber etwas Gewöhnung. Die richtige Instrumentenhöhe, eine entspannte Körperhaltung und ein passender Gitarrengurt schaffen gute Voraussetzungen.
Denn letztendlich soll sich Deine Gitarre gut anfühlen. Wenn Du ständig Deine Haltung korrigieren musst, der Gurt drückt oder das Instrument nicht richtig sitzt, kann das schnell die Freude am Spielen trüben. Umso wichtiger ist es, eine Kombination zu finden, mit der Du Dich wohlfühlst und Dich ganz auf Deine Musik konzentrieren kannst.
Vor allem gilt: Lass Dir Zeit. Je regelmäßiger Du auch im Stehen übst, desto selbstverständlicher wird sich das Spielen anfühlen. Und genau darum geht es schließlich: Freude an der Musik zu haben, ganz gleich, ob Du zu Hause spielst, im Proberaum stehst oder irgendwann auf der Bühne.
Gastbeitrag von Lina Scholz | Steyner Straps
Steyner Straps steht für hochwertige, handgefertigte Gitarren- und Bassgurte, die außergewöhnliches Design mit hohem Tragekomfort verbinden. Unsere Design-Gurte entstehen in Kleinserien von Hand in unserer eigenen Manufaktur in Deutschland. Wir legen großen Wert auf die persönliche Beratung, damit jeder Musiker den Gurt findet, der zu seinem Instrument, seiner Spielweise und seinen Bedürfnissen passt. Ob ausgefallene Stoffdesigns, edles Leder oder komfortable Polsterungen: Die große Auswahl und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten machen jeden Gurt zu einem besonderen Begleiter für Musiker mit Anspruch.

